Nordmark: Mit Biotechnologie auf Wachstumskurs

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Mit mehr als 550 Mitarbeitern und weltweiten Aktivitäten ist Nordmark ein Hidden Champion

Das Pharmaunternehmen in Familienbesitz ist auf Wachstum eingestellt und hat 20 Millionen Euro investiert, um seine Biotech-Produktionskapazitäten zu erweitern. Seit Kurzem gibt es eine neue Partnerschaft im Norden.

Der Spezialist für die Herstellung von biopharmazeutischen Wirkstoffen und Arzneimitteln hat sich international erfolgreich positioniert und ist auf Wachstumskurs. (Foto: © Nordmark Pharma)
Der Spezialist für die Herstellung von biopharmazeutischen Wirkstoffen und Arzneimitteln hat sich international erfolgreich positioniert und ist auf Wachstumskurs. (Foto: © Nordmark Pharma)
Nordmark: Mit Biotechnologie auf Wachstumskurs

Die Nordmark Pharma GmbH hat eine lange Tradition in der Herstellung von biopharmazeutischen Wirkstoffen und Fertigarzneimitteln, die aus tierischen Quellen stammen. Das Hauptprodukt des Unternehmens mit Sitz in Uetersen nahe Hamburg ist das Enzym Pankreatin. Es wird aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen gewonnen und weltweit vertrieben.

Viele Jahre lang betrieb Nordmark auch die größte Schlangenfarm Europas. Mehr als 600 giftige malaiische Grubenottern wurden in einem Gebäude südlich des Firmengeländes gehalten und regelmäßig gemolken, um den Wirkstoff Ancrod zu gewinnen, ein Enzym mit antithrombotischen Eigenschaften. Nachdem Ancrod in klinischen Phase-II-Studien bei Patienten mit plötzlichem Hörverlust enttäuschende Ergebnisse geliefert hatte, zog die Geschäftsführung von Nordmark 2019 einen Schlussstrich unter das Schlangenfarm-Projekt.

Der Chemiker Dr. Jörn Tonne ist Geschäftsführer und CEO der Nordmark Pharma GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Uetersen gibt es nun seit 95 Jahren. Einst Teil der BASF AG und Knoll AG, ging Nordmark aus einem Management Buyout aus dem Jahr 2001 hervor.

Mehr als 20 Millionen Euro in Biotech-Produktion investiert

„Wir haben uns stattdessen entschlossen, mehr als 20 Millionen Euro in den Ausbau unseres Biotechnologie-Geschäfts zu investieren – für unsere eigenen Produkte und unsere Auftragsherstellung“, sagt Nordmark-Geschäftsführer Jörn Tonne. Seit zehn Jahren steht der Chemiker an der Spitze des unternehmergeführten Mittelstandsunternehmens, das mehr als 550 Mitarbeiter beschäftigt.

Der Spezialist für die Herstellung von biopharmazeutischen Wirkstoffen und Arzneimitteln hat sich international erfolgreich positioniert und ist auf Wachstumskurs. Das Gebäude der ehemaligen Schlangenfarm wurde in ein hochmodernes Biotechnologiezentrum verwandelt. Wo einst Grubenottern in Terrarien-Boxen gehalten wurden, blitzt jetzt der Edelstahl von Rohrleitungen und Bioreaktoren. Sie sind in der Lage, Mikroorganismen oder Säugetierzellkultursysteme bis zu einem Volumen von mehreren hundert Litern zu beherbergen, um biologische Wirkstoffe nach den Standards der Guten Herstellungspraxis (cGMP) herzustellen.

Vor wenigen Monaten ist ein neues Projekt in der Biotechnologie-Produktion gestartet. „In Zusammenarbeit mit einem Pharmaunternehmen aus Norddeutschland werden wir ein therapeutisches Protein mittels mikrobieller Fermentation herstellen“, erläutert Tonne. Obwohl er keine näheren Angaben zu dem Produkt und dem Partner machen kann, betont er, dass es sich bei dem hergestellten Protein um einen Wirkstoff für die Behandlung von Krebs bei Kindern handelt. „Unser Partner war auf der Suche nach einem neuen Produktionsspezialisten und war von unserem biopharmazeutischen Know-how sehr beeindruckt", sagt Tonne.

Langfristige Partnerschaften angestrebt

Die neue Partnerschaft ist für Tonne ein gutes Beispiel für das neue Geschäftsmodell von Nordmark. „Wir sind bereit, in Partnerschaften zu investieren und das Risiko zu teilen“, sagt er und betont: „Für uns sind Partnerschaften immer langfristig angelegt.“

Das Besondere an Nordmark sei, dass das Unternehmen Unterstützung entlang der gesamten Wertschöpfungskette anbieten kann, so Tonne. Das gilt für die Prozessentwicklung, die pharmazeutische Entwicklung, die Produktion von Medikamenten für klinische Studien, die Unterstützung in regulatorischen Fragen und die Belieferung des Marktes. „Diese Kombination aus speziellem Fachwissen und maßgeschneiderter Unterstützung für unsere Kunden hat in letzter Zeit zu einem deutlichen Anstieg der Anfragen und Kooperationsangebote geführt“, sagt Tonne.

Neben der Ankurbelung des Biotech-Geschäfts beschäftigt sich Nordmark mit der Digitalisierung seiner Prozesse. Eines der wichtigsten Projekte des Unternehmens ist die Einführung eines Manufacturing Execution Systems, um die Produktion digital zu steuern und zu überwachen. Durch die Partnerschaft mit der Werum IT Solutions GmbH arbeitet Nordmark mit einem weiteren Akteur aus Norddeutschland zusammen. „Das macht unsere Produktionsprozesse schneller, sicherer und effizienter“, sagt Tonne.

Text: Philipp Graf

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