Maike Frye hat Tierschutzprofessur am UKE übernommen

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Hamburg treibt Entwicklung von alternativen Forschungsmethoden voran

Prof. Dr. Maike Frye hat zum 1. Januar 2023 die Professur für das Fachgebiet Refinement, Reduction, Replacement, das sogenannte 3R-Prinzip, in der Tiergesundheit und im Tierschutz am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) angetreten.

Bild: © Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Bild: © Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Maike Frye hat Tierschutzprofessur am UKE übernommen

Die Professur soll verschiedene Forschungsbereiche zum Schutz von Tieren in der biomedizinischen Forschung vernetzen und zur Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden von Tierversuchen beitragen. Die Professur wird von der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung und Bezirke (BWFGB) und der Medizinischen Fakultät im UKE unterstützt.

Bezirkssenatorin Katharina Fegebank: „Fortschritt in der Medizin und verstärkter Tierschutz müssen zusammen gedacht werden. Deshalb gilt es, alternative Forschungsmethoden zu fördern und weiterzuentwickeln. Denn in Zukunft wollen wir schwere und tödliche Erkrankungen mit Methoden heilen, die – wo immer möglich – mit Ersatz-Testverfahren entwickelt wurden. In Hamburg haben wir mit der Einrichtung der 3R-Professur zur Erforschung von Ersatzmethoden für Tierversuche am UKE ein wichtiges Zeichen gesetzt. Mit Prof. Maike Frye haben wir eine erfahrene Wissenschaftlerin für diese wichtige Position gewonnen, die die 3R-Methodik strukturell in der Forschung und Lehre des UKE platzieren wird. Ich wünsche Prof. Frye einen guten Start und viel Erfolg für diese wichtige und zukunftsweisende Forschungsarbeit.“

Prof. Dr. Blanche Schwappach-Pignataro, Dekanin der Medizinischen Fakultät und Mitglied im Vorstand des UKE: „Seit vielen Jahren fördert das UKE die Umsetzung der 3R-Prinzips nachhaltig, und die Strukturen im UKE bieten geradezu ideale Voraussetzungen, um das Konzept durch eine koordinierende Professur zum Tragen kommen zu lassen. Wir freuen uns, mit Maike Frye eine engagierte Wissenschaftlerin im UKE gefunden zu haben, die an der Weiterentwicklung von In-Vitro-Analysen an Zellkulturen zur Modellierung von Krankheitsprozessen arbeitet und damit zur Verringerung von Tierversuchen beitragen kann.“

Prof. Frye entwickelt mit ihrer Arbeitsgruppe Vascular Biology neuartige Hydrogeltechniken für Kultursysteme von menschlichen Zellen. Damit sollen Gewebeumgebungen von Endothelzellen (die innerste Schicht von Blut- und Lymphgefäßen) nachgebildet werden – ähnlich wie im menschlichen Körper. So sollen künftig Krankheitsprozessen der Gefäße in Kulturschalen (In-Vitro-Analysen) ermöglich werden. Dieses Verfahren ermöglicht es, Tierversuche zu reduzieren und zu ersetzen.

Prof. Dr. Maike Frye: „Dieser alternative Forschungsansatz bietet eine vielversprechende Möglichkeit, um für viele weitere Zelltypen im menschlichen Körper adaptiert werden zu können. Obwohl mein Forschungsschwerpunkt in der vaskulären Biomedizin liegt, möchte ich durch die Erforschung von interdisziplinären 3R-Ansätzen die verschiedenen Forschungsfelder am UKE im Bereich Tierschutz näher zusammenbringen und transparenter machen.“

3R-Verfahren als Grundlage für alle Tierversuche

Für die Identifizierung von Krankheitsursachen und die Entwicklung neuer Therapieansätze sind die Wissenschaftler:innen im UKE nach wie vor auf Tierversuche angewiesen. Viele wissenschaftliche Fragestellungen können nur an einem lebenden Organismus genauer erforscht werden, insbesondere komplexe Prozesse, an denen verschiedene Organe des Körpers beteiligt sind. Tierversuche helfen dabei, weit verbreitete Volkskrankheiten wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, neurologische- oder Stoffwechselerkrankungen besser zu verstehen und behandeln zu können. Maßgabe des UKE ist jedoch, für jeden Tierversuch die konsequente Umsetzung des sogenannten 3R-Prinzips anzuwenden. Dahinter steht eine sorgfältige Abwägung, ob ein Tierversuch notwendig ist, sowie die Planung und bewusste Entscheidung für oder gegen den Tierversuch. 3R steht für Reduce, Refine, Replace. Durch das 3R-Prinzip sollen Tierversuche reduziert, verbessert und ersetzt werden.

Die sogenannte 3R-Professur soll Impulse für die Weiterentwicklung von Ersatzmethoden zu Tierversuchen setzen, beispielsweise im Bereich von Zellkultur-Verfahren (In-Vitro-Verfahren), Computersimulationen, Bildgebungsverfahren und Organoiden (künstliche Zellgewebe). Die konkrete Ausgestaltung der Forschung unter den 3R-Aspekten liegt in der Verantwortung der berufenen Professur. Alternative Methoden reduzieren und ersetzen Tierversuche nicht nur schrittweise, sondern dienen auch dazu, Forschung zu verbessern und die Ergebnisse übertragbarer auf den Menschen zu machen. Die 3R-Professur wurde bereits 2020 ausgeschrieben, die Berufung verzögerte sich jedoch pandemiebedingt. Die Professur wird fünf Jahre von der Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke gefördert und soll dauerhaft am UKE etabliert werden.

Zur Person

Prof. Dr. Maike Frye (38) studierte molekulare Biomedizin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und am Victor-Chang Cardiac Research Institute Sydney (Australien). 2013 provierte sie am Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin in Münster, wechselte 2014 als Postdoktorandin ins Lymphatic Development Laboratory der Universität Uppsala (Schweden). Seit 2018 ist sie im UKE als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Arbeitsgruppenleiterin im Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin tätig. Ihr Forschungsschwerpunkt sind Analysen zur Rolle der Gewebemechanik als Regulator von Endothelzellen. Prof. Frye untersucht geweberegulierende Mechanismen, die sowohl bei der Gefäßentwicklung als auch bei der Entstehung von Erkrankungen, die mit einer krankhaften Gewebeversteifung einhergehen (beispielsweise koronare Herzkrankheit, Atherosklerose oder Lymphödeme), eine Rolle spielen.

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